02. April 2026

Gezielter behandeln, Leben retten: Unternehmensbesuch bei SmartDyeLivery

Life-Science-Unternehmen gibt Einblicke in innovative Nanocarrier-Technologie

Wie entstehen aus wissenschaftlichen Entdeckungen konkrete medizinische Anwendungen – und was braucht es, damit diese Innovationen langfristig von Jena aus in die Welt getragen werden? Mit diesen Fragen waren Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche und JenaWirtschaft-Geschäftsführer Wilfried Röpke am 23. März 2026 zu Besuch bei der SmartDyeLivery GmbH.

Im Austausch mit Dr. Katrin Seyfarth, Leiterin Regulatory Affairs, und Dr. Christoph Englert, Leiter Forschung und Entwicklung, sowie mit Unternehmensgründer Prof. Dr. Ulrich Schubert wurde deutlich, welches Potenzial in der Jenaer Ausgründung steckt und welche Rahmenbedingungen für den nächsten Entwicklungsschritt entscheidend sind.

Gemeinsam für den Innovationsstandort Jena: Prof. Dr. Ulrich Schubert (l.), Dr. Katrin Seyfarth (Mitte) und Dr. Christoph Englert (r.) im Austausch über Wachstum, Forschung und Anwendung mit Wilfried Röpke (2. v.l.) und Dr. Thomas Nietzsche (2. v.r). Foto: JenaWirtschaft

Von der Forschung zur Anwendung

2014 als Spin-off der Friedrich-Schiller-Universität und des Universitätsklinikums Jena ist die SmartDyeLivery ein Paradebeispiel für die enge Verzahnung von Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft am Standort. Das Unternehmen entwickelt sogenannte Nanocarrier – kleinste Trägersysteme, die Wirkstoffe gezielt, sicher und kontrolliert im Körper transportieren.

Die Nanocarrier wirken wie ein Transportdienst im Körper: Sie bringen Wirkstoffe genau dorthin, wo sie benötigt werden, etwa in spezifische Zellen geschädigter Organe, und setzen sie erst dort frei. Mit diesem Drug-Delivery-System werden geringere Wirkstoffmengen benötigt und dadurch können Nebenwirkungen deutlich reduziert werden. Zusätzlich sollen die als Navigationssystem eingesetzten Farbstoffe ermöglichen, den Weg der Wirkstoffe im Körper nachzuvollziehen und die Therapie zu kontrollieren.

Konkret können damit zukünftig schwere Erkrankungen wie Leberversagen bei Sepsis behandelt werden. Tritt ein Leberschaden im Verlauf der Sepsis als akute Komplikation auf, ist die Überlebenschance gering. Genau hier setzt die Technologie von SmartDyeLivery an: „Unsere Technologie ermöglicht es, Wirkstoffe gezielt in betroffene Zellen zu transportieren. Dadurch dass der Wirkstoff nur am gewünschten Zielort seine Funktion entfaltet, sollen Schäden „unterwegs“ vermieden werden.“, erläuterte Dr. Christoph Englert. Perspektivisch biete die Technologie Potenzial für weitere Anwendungen, etwa bei der Krebstherapie, Infektionen und anderen Organdysfunktionen, so das SmartDyeLivery-Team.

Mittlerweile hält SmartDyeLivery mehr als 120 erteilte Patente in Europa, den USA und Asien. Diese sichern nicht nur die technologische Grundlage des Unternehmens, sondern unterstreichen den hohen Innovationsgrad der entwickelten Technologien.

Wachstum braucht die richtigen Rahmenbedingungen

Das Unternehmen hat derzeit bereits eine Anwendung in einer klinischen Studie und wächst weiter. Aktuell beschäftigt SmartDyeLivery elf hochqualifizierte Mitarbeitende und plant, das interdisziplinäre Team im Laufe des Jahres 2026 deutlich auszubauen. Gesucht werden insbesondere Fachkräfte aus den Bereichen Chemie, Pharmazie, Biologie und medizinischer Forschung.

Die bisherigen Räumlichkeiten im CEEC I der FSU Jena reichen für das geplante Wachstum nicht mehr aus. Für SmartDyeLivery spielt die räumliche Nähe zu Universität und Klinikum jedoch eine zentrale Rolle. „Sie ermöglicht enge Kooperationen, kurze Wege und starke Netzwerke. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal für den Standort Jena“, so Prof. Schubert.

Die Entwicklung von SmartDyeLivery zeigt beispielhaft, wie Fördermittel und Beteiligungskapital erfolgreich eingesetzt werden können. Neben klassischen Förderprogrammen ist die beteiligungsmanagement Thüringen GmbH als Leadinvestor neben der STIFT Thüringen, der Sparkasse Jena-Saale-Holzland sowie einer Vielzahl privater Investoren, ein wichtiger Finanzierungspartner in der Wachstumsphase. „Von der frühen Entwicklung bis hin zur konkreten Anwendung wird sichtbar, welchen Mehrwert gut eingesetzte Fördermittel und eingeworbenes Risikokapital für Innovation und Wachstum haben können“, so Wilfried Röpke.

Gemeinsam den Hightech-Standort weiterentwickeln

„Unternehmen wie SmartDyeLivery sind zentrale Bausteine für die wirtschaftliche Zukunft der Region. Sie verbinden wissenschaftliche Exzellenz mit unternehmerischer Entwicklung und schaffen hochqualifizierte Arbeitsplätze“, fasst Dr. Nitzsche zusammen. SmartDyeLivery zeige eindrucksvoll, wie Innovation „made in Jena“ erfolgreich in die Anwendung gebracht wird.

Im Austausch wurde deutlich, dass für die weitere Entwicklung von SmartDyeLivery vor allem verlässliche Rahmenbedingungen am Standort entscheidend sind. Dazu zählen:

  • eine enge und konstruktive Zusammenarbeit mit den Behörden
  • die Verfügbarkeit passgenauer Förderangebote für die forschungsintensive Entwicklung
  • ein Umfeld, das durch attraktive Lebensbedingungen überzeugt und so qualifizierte Fachkräfte anzieht und bindet
  • insbesondere eine gute Anbindung im Nah- und Fernverkehr sowie
  • eine verlässliche Kinderbetreuung.

Die Stadt Jena und JenaWirtschaft begleiten die weiteren Meilensteine von SmartDyeLivery aktiv mit, damit Wertschöpfung, Know-how und Innovation langfristig in Jena verankert werden können. Wir danken dem Team von SmartDyeLivery herzlich für die spannenden Einblicke und den intensiven Austausch.

Kontakt

Porträtbild Marina Flämig, Leitung Standortmarketing, Wirtschaftsförderung Jena
Leitung Standortmarketing, Presseservice
Marina Flämig

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