29. September 2026

Standortfaktor Grün – Ideen für klimaangepasste und attraktive Betriebsstandorte in Jena

Ideen für klimaangepasste und attraktive Betriebsstandorte in Jena

Welche Vorteile bietet ein begrünter Innenhof? Welche Rolle spielt Fassadenbegrünung für Hitzeschutz und Mikroklima? Wann ist eine Blühfläche sinnvoller als Rasen? Und welche Förderungen können Unternehmen nutzen? Grün auf dem Betriebsgelände ist mehr als eine Frage der Optik: Richtig geplant kann es Hitzeschutz, Regenwassermanagement, Biodiversität und Aufenthaltsqualität miteinander verbinden.

Konkrete Lösungen für Jenaer Unternehmen standen deshalb im Mittelpunkt des Praxistags „Standortfaktor Grün“, zu dem JenaWirtschaft gemeinsam mit der Impulsregion Erfurt, Weimar, Jena, Weimarer Land am 2. September 2026 in die Imaginata eingeladen hatte. Fachleute und Unternehmen zeigten, was auf dem eigenen Betriebsgelände möglich ist, worauf es bei der Planung ankommt und welche Unterstützung es gibt. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus liefern konkrete Anregungen für Unternehmen, die ihren eigenen Standort klimaangepasster und attraktiver gestalten möchten.

Was soll sich am Standort verbessern?

Wer sein Betriebsgelände klimaangepasster oder naturnäher gestalten möchte, sollte zunächst klären, was sich am Standort konkret verbessern soll: Geht es um Hitze und Schatten, Regenwasser, Aufenthaltsqualität oder mehr Biodiversität?
Diesen funktionalen Blick empfiehlt auch Petra Wagner von der Jenaer Personal- und Organisationsberatung prowandel. Beim Praxistag zeigte sie, was Begrünung aus Sicht der Arbeitsgestaltung leisten kann – etwa Schatten und Kühlung schaffen, Erholungsräume aufwerten oder Naturkontakt ermöglichen.

Eine Gruppe von Personen posiert um einen Tisch

Fünf Hebel für das eigene Betriebsgelände

1. Hitze reduzieren: Schatten dort schaffen, wo Menschen ihn brauchen

Auf einem Parkplatz ist Schatten angenehm. An einem regelmäßig genutzten Pausenplatz kann er darüber entscheiden, ob die Fläche im Hochsommer nutzbar ist. Bäume, begrünte Pergolen oder Fassadenpflanzen reduzieren direkte Sonneneinstrahlung und können durch Verdunstung das Mikroklima verbessern.

Wie wichtig es ist, den Sonnenstand frühzeitig mitzudenken, zeigt die Erfahrung von JenaBioscience. Beim 2015 fertiggestellten Neubau wurden Gebäude und Innenhof gemeinsam geplant. Heute würde das Unternehmen Sonnenstand und Verschattung noch stärker berücksichtigen, damit die Dachterrasse auch im Sommer mit ausreichendem Sonnenschutz optimal nutzbar wäre. Auch BLINK setzt an seinem Standort unter anderem auf außenliegenden Sonnenschutz, Wärmeschutzverglasung und eine begrünte Fassade.

Erster Schritt: An einem heißen Tag über das Betriebsgelände gehen und Hitzeinseln identifizieren. Anschließend prüfen, wo Bäume, Kletterpflanzen, Pergolen oder andere Verschattung den größten Nutzen bringen können.

2. Regenwasser zurückhalten und nutzen

Bei Starkregen fällt auf großen Dach-, Hof- und Parkplatzflächen innerhalb kurzer Zeit viel Wasser an. In längeren Trockenphasen wird dasselbe Wasser möglicherweise für die Bewässerung gebraucht. Deshalb lohnt es sich zu prüfen, ob Niederschläge tatsächlich möglichst schnell abgeleitet werden müssen.

Entsiegelte Flächen, Mulden und Rigolen ermöglichen eine Versickerung vor Ort. Zisternen können Regenwasser speichern und beispielsweise für die Bewässerung nutzbar machen. Dach- und Fassadenbegrünungen können weitere Bausteine eines standortbezogenen Regenwassermanagements sein.

Bei BLINK greifen mehrere dieser Ansätze ineinander: Regenwasser versickert über Rigolen auf dem Gelände. Eine Zisterne mit 18 Kubikmetern Fassungsvermögen versorgt die Grünfassade. Das Beispiel zeigt zugleich, dass klimaangepasste Standortentwicklung nicht isoliert gedacht werden muss: BLINK verbindet Regenwassermanagement und Begrünung mit Gebäudetechnik – unter anderem mit Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, Betonkernaktivierung sowie der Nutzung von Abwärme aus Prozessen und Serverkühlung.

Erster Schritt: Prüfen, welche Niederschläge heute direkt in die Kanalisation gelangen und wo Wasser versickern, gespeichert oder für die Bewässerung genutzt werden könnte.

3. Versiegelte und pflegeintensive Flächen hinterfragen

Entsiegelte Bereiche, standortgerechte Stauden, Wiesen oder Blühflächen können Lebensräume schaffen und den Pflege- und Bewässerungsaufwand reduzieren. Nicht jede versiegelte Fläche wird benötigt und auch kurz gemähter Firmenrasen ist nicht immer die beste Lösung.

JenaBioscience setzt beispielsweise auf ganzjährig wirkende Gräser und Stauden, die nach Angaben des Unternehmens ohne zusätzliche Bewässerung auskommen. Bei BLINK gehört eine insektenfreundliche Pflege der Außenanlagen zum Standortkonzept. Wichtig dabei: Naturnah bedeutet nicht pflegefrei. Susanne Boock von Boock Gartenkultur zeigte beim Praxistag, wie die passende Pflanzenauswahl und Pflege zusammenspielen.

Erster Schritt: Wenig genutzte Rand-, Rasen- und befestigte Flächen identifizieren und prüfen: Muss diese Fläche wirklich so bleiben, wie sie heute ist?

Blühende Wiese

4. Außenräume für Mitarbeitende nutzbar machen

Eine Grünfläche allein ist noch nicht unbedingt ein guter Aufenthaltsort. Ausschlaggebend ist, ob Beschäftigte sie im Arbeitsalltag tatsächlich erreichen und nutzen können. Schatten, Sitzmöglichkeiten und kurze Wege entscheiden mit darüber, ob eine Fläche tatsächlich Teil des Arbeitsalltags wird.

Wie vielfältig solche Flächen Teil des Unternehmensalltags werden können, zeigt JenaBioscience. Der begrünte Innenhof mit großem Baum, Gräsern und Stauden sowie einer begrünten Pergola wird heute für Pausen und informellen Austausch, Meetings, Sport, Bewerbungsrundgänge, Onboarding und Firmenveranstaltungen genutzt. Die „Gartenlaube“ hat sich zum beliebtesten Pausenplatz entwickelt. 2026 schlug die Belegschaft sogar selbst vor, das jährliche Firmenevent nach einer gemeinsamen Wanderung im eigenen Innenhof auszurichten.

Auch bei BLINK gehören Aufenthaltsbereiche, gemeinsame Mittagspausen und Bewegungsangebote wie Volleyball, Tischtennis oder Yoga zum Arbeitsumfeld.

Erster Schritt: Mitarbeitende fragen: Welche Außenbereiche nutzen sie bereits? Welche meiden sie und warum? Fehlen Schatten, Sitzmöglichkeiten, Ruhe oder kurze Wege?

5. Biodiversität fördern: Lebensräume statt Einzelmaßnahmen

Biodiversität braucht nicht zwingend ein großes Betriebsgelände. Auch kleinere Flächen mit heimischen Gehölzen, Blühflächen, Totholz, Sandarien, Vogel- und Fledermauskästen oder einer angepassten Mahd können Lebensräume schaffen.

Wie unterschiedlich solche Lebensräume aussehen können, zeigt das forum natura des Jenaer Stadtforstamtes. Nahrungsangebot, Nistmöglichkeiten, Rückzugsräume und Pflege sollten dabei sowohl zum Standort als auch untereinander passen.

Carolina Reinhold stellte zum Praxistag Möglichkeiten vor, wie sich Unternehmen auch außerhalb des eigenen Betriebsgeländes für Natur und Biodiversität engagieren können: von Baumpflanzaktionen und Waldpflege bis zu gemeinsamen Teambuilding-Formaten.

Auch Bienen können auf dem Betriebsgelände eine Rolle spielen. Berufsimker und Königinnenzüchter Lutz Eggert zeigte beim Praxistag, wie Unternehmen eigene Bienenvölker ansiedeln oder eine betreute Betriebsimkerei nutzen können. Entscheidend ist, vorher genau zu schauen: Passt der Standort, gibt es über die Saison ausreichend Nahrungsangebot und ist die fachgerechte Betreuung gesichert? Sinnvoll eingebunden können Bienen Teil eines größeren Biodiversitätskonzepts sein und zugleich Anknüpfungspunkte für Umweltbildung, Teambuilding und Unternehmenskommunikation bieten.

Und manchmal ist bewusster Verzicht eine Lösung: JenaBioscience lässt eine Reservefläche weitgehend unangetastet, sodass sie sich als Biotop entwickeln kann. Nichtstun kann also durchaus eine Maßnahme sein.

Erster Schritt: Prüfen, ob Rand- und Restflächen wirklich intensiv gepflegt werden müssen – oder ob sich dort mit wenig Eingriff mehr Natur entwickeln kann.

Und wenn das Unternehmen gar keine eigene Fläche hat?

Auch bei angemieteten Betriebsflächen lohnt sich ein Blick auf die Möglichkeiten. Mobile Pflanzgefäße, begrünte und verschattete Sitzbereiche oder kleinere Maßnahmen für mehr Biodiversität lassen sich teilweise auch ohne größere bauliche Eingriffe umsetzen. Gibt es gemeinschaftlich genutzte Höfe, Grünflächen oder Dächer, können Unternehmen zudem mit Eigentümer:innen, Hausverwaltung und anderen Mietparteien prüfen, ob sich diese Flächen gemeinsam aufwerten lassen. Auch eine veränderte Pflege vorhandener Grünflächen kann ein Ansatz sein, etwa weniger häufige Mahd oder die Umgestaltung von Rasenflächen.

Und wer gar keine gestaltbare Fläche zur Verfügung hat, kann sich außerhalb des eigenen Standorts engagieren. Das Stadtforstamt Jena bietet Unternehmen beispielsweise Pflanzaktionen, Waldpflege, Müllsammelaktionen, Green-Team-Formate, Teambuilding und weitere Veranstaltungen in der Natur an. Bereits umgesetzt wurden unter anderem eine Müllsammelaktion mit Jabil und Waldpflege mit ORISA.

Von der Idee zum passenden Angebot

Noch mehr konkrete Ansätze gab es in der Begleitausstellung des Praxistags. Hier konnten sich die Teilnehmenden zu unterschiedlichen Lösungen und Unterstützungsangeboten informieren, eigene Fragen direkt mit Fachleuten besprechen und Kontakte für mögliche Vorhaben knüpfen. Gleichzeitig bot die Ausstellung Raum zum Netzwerken und für den Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen, Expert:innen und Institutionen.

Sybmbolfoto einer Sitzgelegenheit bei einer Ausstellung

Mit dabei waren:

Förderung und Unterstützung für grünere Betriebsstandorte

Für kleinere Begrünungsmaßnahmen lohnt zunächst ein Blick auf das städtische Förderprogramm „Grüne Oasen in Jena“. Gefördert werden unter anderem Fassaden- und Dachbegrünungen an Bestandsgebäuden, die Entsiegelung und Begrünung von Höfen und Freiflächen, Baumpflanzungen sowie insektenfreundliche Grünflächen. Nach dem aktuellen Stand werden bis zu 50 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten übernommen; für die einzelnen Maßnahmen gelten Höchstbeträge.

Wichtig: Fördermöglichkeiten sollten grundsätzlich geprüft werden, bevor ein Auftrag erteilt oder mit der Umsetzung begonnen wird.

Kontakt:
Team Naturschutz, Stadt Jena
Carolin Barz
Tel. 03641 49-5259
E-Mail: carolin.barz@jena.de

Größere Vorhaben: KfW-Umweltprogramm prüfen

Bei größeren Investitionen wie beispielsweise Entsiegelung, naturnahe Gestaltung von Betriebsgeländen, Dach- und Fassadenbegrünung sowie Maßnahmen zum dezentralen Niederschlagsmanagement kann das KfW-Umweltprogramm 240/241 relevant werden. Da Förderhöhe und Voraussetzungen vom konkreten Vorhaben und Unternehmen abhängen, empfiehlt sich eine Prüfung bereits in einer frühen Planungsphase. Die Finanzierung läuft über einen Finanzierungspartner beziehungsweise die Hausbank.

Für Wasser und Ressourceneffizienz

Für KMU kann darüber hinaus GreenInvest Ress interessant sein. Das Programm fördert insbesondere Investitionen in Regen- und Brauchwassernutzung oder betriebliche Wasserkreisläufe. Die Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA) bietet Unternehmen eine kostenfreie Erstberatung zu Ressourceneffizienz und unterstützt bei der Orientierung zu geeigneten Fördermöglichkeiten.

Fördertipp: Bei größeren Vorhaben können mehrere Programme relevant sein. Eine doppelte Förderung derselben Kosten beziehungsweise Maßnahmenteile ist jedoch nicht ohne weiteres möglich. Deshalb sollte vor Antragstellung geklärt werden, welche Förderung für welche Bestandteile des Vorhabens genutzt werden kann.

Jenaer Klimadaten als Planungshilfe

Wo ist die Wärmebelastung besonders hoch? Wo bestehen Risiken durch Starkregen oder Trockenheit? Wer größere Bau-, Umbau- oder Freiraumprojekte plant, kann solche Fragen bereits vor der ersten Entwurfsplanung berücksichtigen.

Die Jenaer Klimaanpassungsstrategie JenKAS stellt dafür räumlich differenzierte Informationen zu Überwärmung, Trockenheit, Hochwasser und Starkregen bereit.

Seit 2025 ergänzt das Stadtklimakonzept Jena diese Grundlage insbesondere um hochaufgelöste Analysen zu Wärmebelastung und Belüftung sowie entsprechende Planungshinweise.

Gerade bei größeren Investitionen kann es sinnvoll sein, diese Informationen früh einzubeziehen statt Klimaanpassung später als zusätzliche Einzelmaßnahme nachzurüsten.

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Porträtbild Patrick Werner, Mitarbeiter Wirtschaftsservice, Wirtschaftsförderung Jena
Wirtschaftsservice

Patrick Werner

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