30. März 2026

Jenas Innenstadt: Standortfaktor im Wandel aktiv gestalten

Wie Unternehmen die Transformation der Innenstadt mitgestalten können

Innenstadt neu denken – auch in Jena

Wie viele Innenstädte verändert sich auch Jenas City derzeit grundlegend: Menschen konsumieren anders, die Digitalisierung schreitet voran und neue Arbeitsformen entstehen. Dadurch verschiebt sich die Bedeutung klassischer Nutzungen.

Gleichzeitig bleibt die Innenstadt ein zentraler Ort, mit dem sich Menschen identifizieren, in dem sie sich begegnen und wirtschaftlich aktiv sind. Sie funktioniert als komplexes Ökosystem, das maßgeblich dazu beiträgt, wie attraktiv der gesamte Standort wahrgenommen wird.

Eine zukunftsfähige Innenstadt entwickelt sich nicht von allein. Sie braucht neue Nutzungskonzepte, stärkere Kooperationen und die Bereitschaft, bestehende Strukturen aktiv weiterzuentwickeln.

In diesem Beitrag zeigen wir:

Die City als „Brennglas der Transformation“

In Jenas Innenstadt zeigen sich gesellschaftliche Trends – und verlangen neue Lösungen. Für eine zukunftsfähige Innenstadt sind vor allem diese Punkte wichtig:

  • ein breites Funktionsspektrum: Die Innenstadt entwickelt sich vom klassischen Handelsstandort zu einem Raum für Wohnen, Arbeiten, Kultur, Freizeit und Versorgung
  • multifunktionale Konzepte: Einzelne Flächen verbinden unterschiedliche Nutzungen wie Handel, Gastronomie, Dienstleistungen oder Veranstaltungen
  • flexible Nutzungsstrukturen: Pop-up-Formate, Zwischennutzungen oder Sharing-Modelle ermöglichen es, schneller auf neue Anforderungen zu reagieren
  • Kooperationen: Zukunftsfähige Innenstadtentwicklung gelingt nur im Zusammenspiel von Unternehmen, Initiativen, Verwaltung und Zivilgesellschaft

Für Unternehmen heißt das: Weniger Standardlösungen – stattdessen klare, flexible und gemeinsame Angebote. Wenn es gelingt, unterschiedliche Funktionen miteinander zu verbinden und die Aufenthaltsqualität gut und gemeinsam zu gestalten, bleibt die Innenstadt langfristig ein lebendiger Mittelpunkt. Ein Ort, an dem Menschen sich treffen, austauschen und kooperieren.

Chancen für Unternehmen

Eine attraktive Innenstadt ist kein Selbstläufer, sondern entsteht durch das Zusammenspiel vieler Partner. Unternehmen sind ebenso wie Stadtverwaltung und nichtkommerzielle Akteure gefordert, neue Kooperationen einzugehen, um die Innenstadt gemeinsam weiterzuentwickeln.

Für Unternehmen ergeben sich konkrete Ansatzpunkte:

  • Innovative Geschäftsmodelle, die Handel und Dienstleistungen mit Veranstaltungen oder Gastronomie verbinden. Hierzu zählen beispielsweise Concept Stores, Mixed-Use-Konzepte oder ganz konkret „Tante Zukunft“ am Holzmarkt.
  • Nutzung von Experimentier- und Testformaten wie dem StadtLab Jena.
  • Kooperationen zwischen Händler:innen, Initiativen wie der Initiative Innenstadt Jena und Stadtverwaltung. Dadurch entstehen neue Formate, die zusätzliche Frequenz in die Innenstadt bringen und Unternehmen Zugang zu unterschiedlichen Zielgruppen eröffnen. Jena-typische Veranstaltungen wie die Marktfeierei, das Neugassenfest oder der Musikalische Weihnachtskalender zeigen, wie solche Ansätze erfolgreich umgesetzt werden können. Die City Card Jena als modernes Zahlungsmittel für Jena und den Saale-Holzland-Kreis schafft regionale Bindung zwischen lokalen Händler:innen und ihren Kunden.
  • Individualität und Qualität: Statt standardisierter Angebote sind Konzepte gefragt, die zur Stadt passen, lokale Stärken einbeziehen und den Mehrwert von Erlebnis, Begegnung oder Wissen sichtbar machen.

StadtLab Jena

Wie neue unternehmerische Konzepte und innovative Ideen konkret und unter realen Bedingungen getestet werden können, zeigt seit dem Sommer 2023 das StadtLab Jena. Unternehmen, Vereine und Initiativen haben im StadtLab die Möglichkeit, ihre innovativen unternehmerischen Ideen ohne großes wirtschaftliches Risiko und mitten in der Innenstadt zu testen, etwa durch Pop-up-Stores, Veranstaltungen oder neue Dienstleistungsangebote. Das StadtLab-Team unterstützt die Umsetzung von der ersten Idee über die Konzeption der Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung mit Partnern bis zur Eröffnung.

Inhaltlich folgt das StadtLab einem klaren Ansatz: mehr Vielfalt, mehr Nutzungsmischung, mehr Beteiligung. Die Innenstadt wird als multifunktionaler Raum weiterentwickelt. Mit dem StadtLab Ideenwettbewerb werden Unternehmen, Netzwerke und Bürger:innen Jenas direkt aktiviert und gleichzeitig deren Bindung und Identifikation mit der Innenstadt gesteigert.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen die Wirkung deutlich: Mehr als 34.500 Besucher:innen seit Eröffnung des StadtLabs, rund 300 Nutzungen und 125 unterschiedliche Träger:innen belegen die hohe Nachfrage. Eine begleitende Evaluation des Lehrstuhls Wirtschaftsgeographie der Friedrich-Schiller-Universität bestätigt diesen Erfolg auch qualitativ: Das StadtLab wird durchweg sehr positiv bewertet – besonders in Bezug auf die Unterstützung bei der Umsetzung und den niedrigen Zugangshürden. Ein Großteil der Befragten gibt an, dass ihre Projekte ohne das StadtLab nicht realisierbar gewesen wären, und spricht sich klar für eine dauerhafte Etablierung des Formats aus.

Ein Highlight im StadtLab waren die Ideenwettbewerbe. 2024 und 2025 konnten  kreative Köpfe aller Branchen ihre innovativen Ideen für eine lebendige Innenstadt im StadtLab entwickeln. Im Werkstattprozess und Austausch mit Anderen entstanden Konzepte und konkrete Impulse für die Innenstadt.

Wir freuen uns über die mittlerweile erfolgreich in die Jenaer Innenstadt übertragenden Konzepte aus dem Ideenwettbewerb 2024:

Fazit: Innenstadtentwicklung als gemeinsame Standortaufgabe

Jenas Innenstadt ist weit mehr als Einkaufsort. Sie ist Wirtschaftsraum, Begegnungsort und ein wichtiger Faktor für die Attraktivität des gesamten Standorts. Gerade deshalb muss ihre Entwicklung aktiv gestaltet werden. Sie braucht Unternehmen, die neue Wege gehen, Verwaltung, die gute Rahmenbedingungen schafft, und Akteur:innen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Genau darin liegt die Chance für Jena.

Kontakt

Porträtbild Grit Sachse, Mitarbeiterin StadtLab Jena, Wirtschaftsförderung Jena
Wirtschaftsservice | Projekt StadtLab

Grit Sachse

Porträtbild Markus Henkenmeier, Leitung Wirtschaftsservice, Wirtschaftsförderung Jena
Leitung Wirtschaftsservice

Markus Henkenmeier

Porträtbild Caroline Stein, Standortmarketing, Wirtschaftsförderung Jena
Standortmarketing

Caroline Stein

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