08. Mai 2026

Jena: strukturell stark, konjunkturell unter Druck

Stadtrat diskutiert wirtschaftliche Lage und Zukunftsperspektiven des Standorts

Die wirtschaftliche Lage Jenas stand im Mittelpunkt der jüngsten Stadtratssitzung am 06. Mai 2026. Anlass war die Aussprache zu einer Großen Anfrage der CDU-Fraktion zur wirtschaftlichen Entwicklung, Wettbewerbsfähigkeit und Standortperspektive der Stadt. JenaWirtschaft beantwortete die Anfrage hauptverantwortlich.

Die Analyse zeichnet ein differenziertes Bild: Jena verfügt weiterhin über starke strukturelle Voraussetzungen, steht gleichzeitig jedoch vor erheblichen konjunkturellen Herausforderungen.

Hinweis: Das Dokument wurde am 12.03.2026 im Stadtrat eingereicht und damit vor Ausbruch des Iran-Kriegs verfasst.

Konjunkturelle Krise belastet Unternehmen und Investitionen

„Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung geht inzwischen über eine klassische konjunkturelle Schwächephase hinaus. Viele Jenaer Unternehmen sehen sich mit unsicheren Absatzmärkten, zurückhaltenden Investitionen und steigender Unsicherheit konfrontiert. Die Auswirkungen sind mittlerweile deutlich spürbar. Viele Unternehmen agieren vorsichtiger und verschieben Entscheidungen. Umso wichtiger ist es, die vorhandenen Stärken des Standorts Jena konsequent zu sichern und weiter auszubauen“, betont JenaWirtschaft-Geschäftsführer Wilfried Röpke.

Die angespannte Lage zeigt sich unter anderem beim Gewerbesteueraufkommen, das zuletzt deutlich zurückgegangen ist. Gleichzeitig entwickeln sich Investitionen und Beschäftigungsdynamik schwächer als in den vergangenen Jahren.

Jenas strukturelle Stärke bleibt bestehen

Trotz der konjunkturellen Krise bleibt Jena ein leistungsfähiger Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche verweist dabei auf den zukunftsorientierten Branchenmix, die starke Wissenschafts- und Forschungslandschaft sowie den in Jena besonders gut funktionierenden Transfer von Wissenschaft in wirtschaftliche Anwendungen. Gerade diese enge Verzahnung sorge dafür, dass der Standort insgesamt resilient aufgestellt sei.

„Wir als Stadt und konkret die Wirtschaftsförderung arbeiten jetzt schon daran, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass wir stark durch die Krise kommen und auch für ein Wiederanziehen der Wirtschaft gut vorbereitet sind“, betont Nitzsche.

Panorama der Stadt Jena

Standort weiterentwickeln: Flächen, Fachkräfte, Standortbedingungen und Unternehmensservice

Wie die Diskussion im Stadtrat zeigte, herrscht fraktionsübergreifend Einigkeit zu den wesentlichen Handlungsfeldern, die es nun vorrangig zu bearbeiten gilt:

  • Flächenentwicklung:
    Beschleunigte Bebauungsplanverfahren, Ausweisung neuer Flächen, interkommunale Gewerbegebiete
  • Fachkräftegewinnung:
    die stärkere Bindung von Hochschulabsolvent:innen, Berufsorientierung und MINT-Förderung, Ausbau der Willkommenskultur, bezahlbarer Wohnraum
  • Stabile Standortbedingungen:
    eine wirtschaftsfreundliche Verwaltung, leistungsfähige Verkehrs- und Mobilitätsinfrastruktur, stabile kommunale Abgaben- und Gebührenpolitik
  • Zuverlässiger Service für Unternehmen:
    der Abbau bürokratischer Hemmnisse, wirtschaftliche und klimaneutrale Energieversorgung, digitale Verwaltungsprozesse, Unterstützung bei Fördermitteln
  • Attraktive Innenstadt:
    eine lebendige Mischung aus Handel, Gastronomie, Kultur und Arbeiten, hohe Aufenthaltsqualität, Unterstützung lokaler Händler:innen, Gastronom:innen

SPD-Stadtrat Dr. Holger Becker betonte in diesem Zusammenhang insbesondere die Bedeutung konkreter, vor Ort beeinflussbarer Faktoren – darunter weniger Bürokratie, eine vorausschauende Flächenpolitik sowie Investitionen in Bildung, Wohnen und Fachkräftesicherung.

JenaWirtschaft begleitet Unternehmen und Standortentwicklung

JenaWirtschaft unterstützt Unternehmen aktuell bereits bei Investitionsvorhaben, Fördermittelberatung, Fachkräftefragen und Standortentwicklung. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Phasen gewinnt die direkte Begleitung von Unternehmen an Bedeutung. Nah an den Unternehmen zu bleiben und Entwicklungen sowie Bedarfe frühzeitig wahrzunehmen ist die Grundlage, um Service- und Unterstützungsangebote gezielt weiterzuentwickeln und auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren.

Auch die Gewinnung und Bindung von Fachkräften bleibt ein zentrales Thema. Angebote wie work-in-jena.de mit dem Jobportal Jena, die persönliche Beratung im Welcome Center Jena oder Projekte zur Berufsorientierung tragen dazu bei, Unternehmen langfristig zu unterstützen.

Um den Hightech-Standort Jena weiter zu stärken, arbeitet die Wirtschaftsförderung gemeinsam mit Partnern daran, Innovationsnetzwerke, Gründungen und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auszubauen. Dabei kommt der Zusammenarbeit mit Wirtschaftsverbänden, Kammern und Arbeitnehmervertretungen eine besondere Bedeutung zu.

Portrait von Wilfried Röpke

Zukunftsfähigkeit gemeinsam sichern

Die kommenden Jahre werden anspruchsvoll bleiben. Gleichzeitig bestehen gute Voraussetzungen, um die wirtschaftliche Stärke Jenas weiterzuentwickeln.

Entscheidend wird sein, kurzfristige Belastungen zu bewältigen und gleichzeitig langfristige Zukunftsthemen weiter voranzubringen – von Innovation und Fachkräftesicherung bis hin zu Flächenentwicklung und Innenstadtentwicklung.

Kontakt

Porträtbild Wilfried Röpke, Geschäftsführung, Wirtschaftsförderung Jena
Geschäftsführer
Wilfried Röpke

Verwandte Beiträge