12. Januar 2026

Hochtemperatur-Kompetenz „made in Jena“

Unternehmensbesuch bei MUT Advanced Heating

Bis zu 2.500 Grad heiß kann es in den Anlagen der MUT Advanced Heating GmbH in Jena-Nord werden. Wohltemperiert ging es dagegen beim Besuch von Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche und JenaWirtschaft-Geschäftsführer Wilfried Röpke am 12. Januar zu. Im Mittelpunkt standen der persönliche Austausch mit der Geschäftsführung, eine Führung durch die neue Produktionshalle sowie ein offenes Gespräch über aktuelle Herausforderungen und Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Jena.

Tauschten sich beim Firmenrundgang durch die MUT Advanced Heating GmbH intensiv aus: Oliver Ehrensberger (Prozesstechnik MUT), Wilfried Röpke (JenaWirtschaft), Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche, Heinz-Jürgen Blüm (Gründer und Geschäftsführer MUT), Dr. Colette Friedrich (Personalleitung MUT), Dr. Peter Juschitz (Geschäftsführer) sowie Thomas Kühn (Vertriebsleiter MUT) (v.l.n.r.)

Maßgeschneiderte Hochtemperaturtechnik aus einer Hand

MUT Advanced Heating entwickelt und baut Hochtemperatur-Ofenanlagen für anspruchsvollste industrielle Anwendungen. Die Anlagen kommen unter anderem in der Pulvermetallurgie, der technischen Keramik, der additiven Fertigung sowie in der Wasserstoff- und Magnettechnik zum Einsatz. Temperaturen von über 2.000 Grad Celsius, in Spezialfällen sogar bis 2.500 Grad, gehören für MUT zum Tagesgeschäft.

Das Besondere: Nahezu die komplette Wertschöpfung findet in Jena statt. Das Team übernimmt Konstruktion, Verfahrenstechnik, Elektro- und Softwareentwicklung selbst. Viele Bauteile entstehen direkt im eigenen Haus – von der Metall- und Graphitbearbeitung bis hin zur zertifizierten Schweißtechnik und zum Bau von Druckbehältern. MUT versteht sich als „vessel builder“ und Schweißexperte – und lebt diesen Anspruch im Alltag.

Vom Jenaer Start-up zum internationalen Hidden Champion

Gegründet wurde MUT 1994 von Heinz-Jürgen Blüm. Was als kleines Unternehmen im TIP Jena begann, entwickelte sich über drei Jahrzehnte zu einem international gefragten Sonderanlagenbauer. 1999 zog der Betrieb an den jetzigen Standort in der Fritz-Winkler-Straße. Heute beschäftigt MUT rund 90 Mitarbeitende aus sieben Nationen, bildet regelmäßig aus und plant, bis Mitte 2026 auf etwa 100 Beschäftigte zu wachsen.

Neue Halle, mehr Platz für Wachstum

Ein Höhepunkt des Besuchs war die Führung durch die neue Produktionshalle, die 2025 fertiggestellt wurde. Auf rund 3.000 Quadratmetern zusätzlicher Fläche kann MUT nun noch größere und komplexere Anlagen fertigen. Die Investition von über zwei Millionen Euro zeigt klar: Das Unternehmen glaubt an seine Technologie – und an den Standort Jena. „Die internationale Nachfrage bleibt hoch, besonders aus den Vereinigten Staaten“, so Geschäftsführer Heinz-Jürgen Blüm. „Rund 80 Prozent unseres Umsatzes machen wir mittlerweile in den USA. Dort wird erkannt, welche strategische Bedeutung unsere Technologie hat – und entsprechend investiert.“

Investiert werden muss auch in neue Fachkräfte, besonders Elektriker und Elektrikerinnen sowie Elektro-Ingenieur:innen. Diese bilden laut Geschäftsführer Blüm die Grundlage, damit die Elektrifizierung weiter vorangebracht und die Energiewende erfolgreich sein kann.

Offenes Gespräch über Herausforderungen

Im anschließenden Austausch sprach die Geschäftsführung offen über Themen, die MUT aktuell beschäftigen – und die viele Unternehmen in Jena kennen:

Bürokratie und Genehmigungen: Wenn Verfahren lange dauern oder sehr streng ausgelegt werden, verzögern sich Investitionen. MUT wünscht sich mehr Pragmatismus und Spielraum bei der Umsetzung.

Fachkräfte: Besonders Projekt- und Elektroingenieure sowie qualifizierte Facharbeiter sind schwer zu finden. Internationale Fachkräfte helfen, offene Stellen zu besetzen – doch lange Anerkennungsverfahren und Terminverfügbarkeit in der Ausländerbehörde bremsen den Einstieg. Verbesserungswürdig sind laut MUT auch z.T. Englischkenntnisse und Willkommenskultur.

ÖPNV-Anbindung in Jena-Nord: Für Mitarbeitende aus dem Umland und der Gera-Erfurt-Tangente, die am Westbahnhof ankommen, ist der Standort aktuell nur sehr umständlich erreichbar.

MINT-Bildung: Unterrichtsausfälle, vor allem in Physik und Mathematik, wirken sich spürbar auf die Ausbildungsreife aus.

Graffiti und Sachbeschädigung: Wiederholte Schmierereien am neuen Gebäude verursachen Ärger und Kosten.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche und Wilfried Röpke nahmen die Hinweise auf, ordneten sie in laufende Projekte der Stadt ein und boten an, einzelne Themen weiter zu vertiefen und konkret zu begleiten.

Ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Jena

Der Besuch bei MUT Advanced Heating machte einmal mehr deutlich, welches Potenzial in Jena steckt: innovative Industrie, internationale Märkte und hochqualifizierte Arbeitsplätze. Als Hidden Champion verbindet MUT globale Technologietrends mit lokaler Wertschöpfung – und stärkt damit nachhaltig den Wirtschaftsstandort.

JenaWirtschaft bedankt sich bei der Geschäftsführung und dem gesamten MUT-Team für die offenen Gespräche, die Einblicke in die Produktion und den konstruktiven Austausch.

Kontakt

Porträtbild Marina Flämig, Leitung Standortmarketing, Wirtschaftsförderung Jena
Leitung Standortmarketing, Presseservice
Marina Flämig

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